Der Blinddarm hat bei der Namensverteilung leider nicht so viel Glück gehabt. Viele Menschen halten ihn auf Grund seiner Bezeichnung sogar für komplett funktionslos. Und würde nicht regelmäßig ein armer Mensch aus dem Bekanntenkreis mit Blinddarmentzündung im Krankenhaus liegen, so wäre dieser kleine Abschnitt des Dickdarms wahrscheinlich noch unpopulärer. Wir haben uns gefragt: Hat der Blinddarm nun eine Aufgabe oder nicht?
Ja, die hat er natürlich, und zwar in unserer Entwicklungsgeschichte. "Auf dem Weg vom Kind zum Erwachsenen übernimmt der Blinddarm verschiedene Funktionen bei der Abwehr von Krankheiten", so Professor Heinz Becker, Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie der Georg-August-Universität Göttingen.
Mit den Jahren verliert er diese Eigenschaft laut Becker allerdings wieder. "Ungefähr ab dem zwanzigsten Lebensjahr ist er dann so gut wie überflüssig", so der Mediziner. Leider heißt das aber nicht, dass man von diesem Zeitpunkt an nie wieder von ihm hören würde. Die Fähigkeit sich zu entzünden, die behält er nämlich bei.
Wo sitzt der Blinddarm genau? Blinddarm ist die Bezeichnung für das Anfangsteil des Dickdarmes, welches "blind" in die Bauchhöhle ragt – daher der Name. An diesem Darmabschnitt hängt nun noch der sogenannte Wurmfortsatz, der Appendix. Und dieses kleine Anhängsel ist es auch, welches sich entzünden kann. Die Bezeichnung Blinddarmentzündung ist eigentlich irreführend. Der Mediziner spricht korrekterweise von einer "Appendizitis".
Wodurch kann sich der Appendix entzünden? "Der Wurmfortsatz sieht so ähnlich aus wie ein Regenwurm. Er ist ziemlich dünn", erklärt Becker. Wenn sich die enge Öffnung beispielsweise mit Körnern zusetzt, dann stauen sich Sekrete in dem kleinen Abschnitt. Bakterien aus dem Dickdarm können sich nun ansiedeln und wunderbar vermehren. Eine Entzündung ist so gut wie garantiert.
Die ersten Anzeichen sind meist starke Bauchschmerzen, erst um den Nabel herum, später vor allem im rechten Unterbauch. Manchmal treten auch Übelkeit, Erbrechen und Fieber auf. Allerdings müssen die Symptome nicht immer eindeutig sein, die Krankheit kann sehr unterschiedlich verlaufen. Bei Verdacht auf eine Blinddarmentzündung sollte der Patient auf jeden Fall rasch einen Arzt konsultieren. Eine nicht behandelte Blinddarmentzündung kann lebensgefährlich werden. Der Fachmann entscheidet, ob eine Operation nötig sein wird.
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
07.04.2010, aktualisiert am 09.02.2012
Bildnachweis: W&B/Swen Sallwey/Szczesny, W&B/Simon Katzer
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